TATblatt
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Auf dieser Seite befand sich für längere Zeit irrtümlicherweise eine unredigierte Fassung dieses uns zugegangenen Berichts mit rechtlich unhaltbaren Vorwürfen gegen BeamtInnen, Geld "geklaut" zu haben. Wie die Papierausgabe beweist, war die Veröffentlichung dieser Anschuldigungen nicht beabsichtigt. Wir bedauern diesen Fehler und widerrufen die irrtümlich verbreiteten Anschuldigungen.


EKH-Tour 2000
gegenüber der Papierausgabe bereits zweimal aktualisiert

ekh on tour - infobrigade, leichtest verändert

Seit Freitag, 5.5.2000 sind FreundInnen des Ernst-Kirchweger-Hauses auf Tour durch Österreich. Der Übertitel der Tour lautet: "Provokation und Propaganda". An verschiedensten öffentlichen Plätzen in Österreich werden Straßenfeste mit politischer Agitation und Information geboten.

Aus dem Tourtext: "Wir, die BewohnerInnen und FreundInnen des EKH werden von 4. bis 14. Mai 2000 auf Tour gehen. Dieses Haus ist heute ein Ort von Widerstand und Gegenkultur. Jene, die sich aus verschiedensten Motivationen in und um dieses Haus zusammengefunden haben, breiten ihre Umtriebe auf ganz Ösiland aus. Wir ziehen als organisierte Karawane (oK) durch Österreich, um das Land mit unserer Lebenskultur zu konfrontieren. Wir werden politisch agitieren, herumlungern, Theater spielen, essen und Essen verteilen, auf Metallgegenstände einprügeln, Propagandamaterial verteilen, Feuerspucken, QuerdenkerInnen vor Ort unterstützen, Provozieren, Videos zeigen, Party feiern ... - und Österreich zeigen, daß Chaos ganz schön Spaß machen kann. Die Straße ist für uns nicht nur

die Strecke von H nach A, sondern ein Platz, an dem wir feiern, rebellieren, Musik machen, Leute treffen, diskutieren und sonstigen Schabernack treiben. Wir veranstalten Straßenfeste, weil das eine Form von politischer Aktion ist, die nicht moralin-sauer oder lustlos ist. Abends mischen wir einige lokale Kulturzentren mit einer wohldosierten Kombination aus Livemusik, Infotainment, Schauspiel, Anarchie und philosophischen Diskursen auf.

Mit der Tour wollen wir einen Versuch unternehmen, die österreichische Realität etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen - ihr etwas entgegenzusetzen - denn wir können uns eine bessere vorstellen eine Realität ohne Abhängigkeiten und Ausbeutung - ohne Hierarchie ohne Rassismus, Sexismus - folglich ohne Staat und Macht und Geld. Was wir brauchen, ist Unterstützung vor Ort, also erscheint zahlreich, um mit uns zu feiern, diskutieren, essen, Infos zu verteilen, musizieren, ... Hasta luego en tu ciudad!"

Erste Station war am 5.5. der Schlachthof in Wels. Da sich die Anreise aus Wien um Stunden verzögerte, fing die Party nicht wie geplant um 14 Uhr sondern erst um ca. 18 Uhr an. Der Schlachthof feierte am gleichen Tag auch sein 15-Jahres-Fest. Die örtliche Polizei war wohlinformiert präsent - die gewaltbereiten ChaotInnen aus Wien bedurften derer Meinung nach anscheinend einiger Aufsicht. Leider war der Platz im Schlachthof etwas abgelegen. Nicht allzu viele BesucherInnen verirrten sich zum Fest.

Nach einigen Abschlußrunden um den Schubhäfn in Wels ging die Tour am Samstag, 6.5. weiter nach Linz. Ab 14 Uhr fand dort am Taubenmarkt - einem zentralen Platz im Stadtzentrum - die Party statt. Den PassantInnen wurden Live-Moderation, Musik, Infotisch, Feuershow, VolXtheater, Widerstandsvideos, eine inszenierte Turbo-Straßenschlacht (ca. 2 Minuten), Chaos und Tanz geboten. Der Geschäftsführer des angrenzenden McDonalds Restaurants verweigerte einigen FestbesucherInnen die Benutzung der Toilette, was zu einer spontanen Anti-McDonalds-Kundgebung und zu einer massiven Aufstockung der Polizeipräsenz führte. Insgsamt war das wirklich ein tolles und lebensfrohes Fest, das auch nicht von vereinzelten Haider-Fans getrübt werden konnte. Um 19 Uhr 30 ging die Party schließlich unter den Klängen von Franz Moraks "Schizopunk" zu Ende. Im Kulturzentrum KAPU gab´s dann später noch Livemusik, einen Polizeieinsatz, Widerstandsvideos, Volxküche von Food not Bombs und eine heftige politische Diskussion. Dann am Sonntag, 7.5. vormittags fuhr ein Teil der TourteilnehmerInnen zur Befreiungsfeier ins ehemalige KZ Mauthausen. Zwar waren VertreterInnen der schwarzblauen Regierung nicht anwesend, doch eine höchstrangige SPÖ-Abordnung (Gusenbauer, Klima, Vranitzky, Verzetnitsch) veranlaßte uns dazu, uns die Münder zu verkleben, um diese Herren an den Mord an Marcus Omofuma zu erinnern und die österreichische Abschiebepolitik insgesamt zu thematisieren und kritisieren.
 

Aktualisierung:
So. 7.5.
Nach der Teilnahme an den Befreiungsfeiern in Mauthausen, fuhr die oK (organisierte Karavane) nach Salzburg (von der Polizei wurde die Tour bis zur Stadtgrenze begleitet). Auf dem Weg dorthin gabs diverse Autoprobleme; schließlich fiel der größte Bus mit Motorschaden aus und wir kamen verspätet um ca.18h in  Salzburg am "Alten Markt" (direkt bei der Getreidegasse und dem Snobcafe Tomaselli) an. Sonntägliche Verhaltenheit verhinderte, daß das Fest auf große Touren kam. Allerdings machte es schon große Freude im Zentrum der Mozartstadt unsere Transparente auszubreiten (quer über den Brunnen und den Platz) und die Vorbeischreitenden mit Jörgischen Heldendramen, Volxküche und verruchten Songs zu beglücken. Alles in allem wars laut und fein und die uniformierten sowie zivilen Polizisten hielten Abstand. Danach gings ab zur Übernachtung nach Hallein, zum Jugendzentrum auf die Bernerinsel (direkt neben einer Festspielstätte), wo die Tourbeteiligten noch bis in die späten Abendstunden Wu-Shu (Kampfsportart) gegen die Regierung probten.

Mo. 8.5.
Station an diesem Tag war Leoben. Nachdem die EKH-Industrie Fässer vom kaputten Bus auf die verbliebenen aufgeteilt worden waren, gings den Weg über steirisches Alpingebiet in die ArbeiterInnenstadt Leoben. Ürsprünglich war der Plan auf dem Hauptplatz Station und Programm zu machen, doch die "Anarchos" wurden sicherheitshalber auf dem Platz vor der Erlöserkirche und neben einem (an diesem Tag) geschlossenen Jugendzentrum plaziert (Als Begründung mußte ein Peru-Ausstellung herhalten). Als wir dort (wiedereinmal verspätet) ankamen, erwarteten uns bereits einige nette Menschen aus Graz und Umgebung, Zivilpolizisten und entrüstete Pfarrangehörige (die uns zuerst das Tor zum Vorplatz der Kirche nicht öffen wollten, bzw. mit Kirchenaustritt drohten). Als kooperativ erwies sich schließlich doch der Pastoraldiener der Kirche, der sowohl uns als auch das Kirchenvolk verteidigte. Bis die Busse mit der Soundanlage und Fässern ankamen, gabs vor der Kirche Volxküche, Infostand und (leise) Musik. Ein Teil der Leute machte sich zum Hauptplatz auf, um dort zwecks Werbung und Provokation Straßen-Wu-Shu und Feuerspuckperformance zu machen (woran wir bald gehindert werden sollten und als Spontandemo skandierend wieder zurückgingen). Im Vorfeld zu dieser Veranstaltung wurde der Kundgebungsanmelder aus Leoben von der Kripo einvernommen. Insgesamt war das Polizeinaufgebot dort bereits sehr beachtlich. Feierlich endete der Abend mit EKH-Industrie und Feuershow auf der Straße. Danach Aufbruch Richtung Graz.

Di. 9.5.
In aller Frühe bekamen wir schon die Meldung, daß der Anmelder aus Leoben nochmals von der Polizei aufgesucht und zu uns befragt worden war. Auch in Graz übte die Polizei im Vorfeld Druck auf die Veranstalter aus. Im Grazer Zentrum (am Jakominiplatz) wurde die Tour wieder von vielen Menschen erwartet und das Fest fand im Laufe des Nachmittags immer mehr Anklang bei der Bevölkerung und Zulauf. Höhepunkte war u.a. die Straßenschlacht auf Straßenbahngleisen. Alles schien toll zu laufen...das autonome Straßenfestchen kleckerte so richtig schön die Grazer Innenstadt an, die Leute tanzten, sangen, Widerstände wurden verteilt, Videos gezeigt, Infos ausgetauscht.... Auch unsere Bekannten von der Stapo trafen wir wieder, das Ziviaufgebot war auffallend groß... Nach dem Fest kam es dann zu einem Polizeieinsatz

Dienstag, 9.5.00 ca. 22.00 Uhr. das straßenfest geht seinem ende zu. den ganzen tag wurden straßentheater, feuershow, jede menge information und propaganda und ein paar worte dazu, dass anarchie doch viel besser wäre als österreich, geboten.

22.30 uhr. wir erfahren, dass einige leute, die mit einem pkw kurz von der aktion weggefahren waren, unterwegs von der polizei angehalten und ihr auto durchsucht wurde. kurze zeit später sehen wir uns plötzlich einem völlig übertriebenen "überfall" der polizei ausgesetzt. ca. 50 beamtInnen kreisen uns mit fahrzeugen ein, und weisen durchsuchungsbefehle für die fahrzeuge vor. sie durchsuchen ca. zwei stunden und sind schließlich sichtlich frustriert über ihren misserfolg. beschlagnahmt werden zwei kisten bier und das dazugehörige leergut, einige packungen süßigkeiten, eine flasche wein, einige spraydosen sowie ein großer vorrat an fotofilmmaterial. aus dem durchsuchungsbefehl entnehmen wir, dass angeblich irgendwo in eine imbissstube eingebrochen worden war. warum deshalb unsere fahrzeuge untersucht wurden, konnte uns niemand sagen. die beamten nahmen uns auch noch die kassa  von der tour mit ca. 10.000 öS, obwohl im durchsuchungsbefehl kein wort von geld stand und gaben uns nicht einmal eine bestätigung dafür. wie wir mittlerweile erfahren haben, werden auch leute, mit denen wir kontakt hatten, z.b. in leoben und graz, von der polizei heimgesucht und stundenlang verhört. bereits im vorfeld der tour wurden einige leute, mit denen wir zusammenarbeiteten, von der stapo bedroht und mit vorladungen und verhören eingeschüchtert.

um ca. 1.00 uhr früh machen wir uns auf den weg zum polizeihauptquartier in graz und konfrontieren die beamtInnen damit, dass sie uns die kassa geklaut hätten und erklären ihnen, dass wir das geld sofort zurück wollen und uns mit dem rest nach der tour beschäftigen werden, denn den spaß wollen wir uns von dieser sinnlosen repression auch nicht verderben lassen. nach zweistündigen verhandlungen rücken die beamten schließlich die kassa raus. mit schlafen wird es in dieser nacht nichts mehr, wir schlafen auf der autobahn, um den leuten, die uns aufnehmen wollten, nicht auch die stapo an den hals zu hängen. bevor wir unseren morgenkaffe getrunken hatten, waren schon wieder zivilpolizisten, diesmal steirische und kärtner da, die unsere personalausweise kontrollieren wollten, und abermals nach dem gestrigen fahndungsmisserfolg unsere autos durchwühlen. wir haben sofort klar gestellt, dass wir zuerst frühstücken werden, und dass sie sich bitte mit den kollegen in graz kurzschließen mögen, die genauestens wissen was in unseren autos ist (ach was führen wir nicht alles an schrott durch ösiland), außerdem wollten wir sowieso nur mit uniformierten verhandeln, weil sich die zivilen nicht als polizisten ausweisen wollten. unser frühstück wurde dann von 20 uniformierten und weiteren zivilen polizisten und zwei wega-beamten (extra aus wien angereist) genauestens beobachtet. für das brave warten durften sie dann vor der weiterfahrt auch einige personalausweise sehen.

RICHTIGSTELLUNG:
Auf dieser Seite befand sich für längere Zeit irrtümlicherweise eine unredigierte Fassung dieses uns zugegangenen Berichts mit rechtlich unhaltbaren Vorwürfen gegen BeamtInnen, Geld "geklaut" zu haben. Wie die Papierausgabe beweist, war die Veröffentlichung dieser Anschuldigungen nicht beabsichtigt. Wir bedauern diesen Fehler und widerrufen die irrtümlich verbreiteten Anschuldigungen.
 

Mi. 10.5.
Heutige Station: Klagenfurt. Beim Lindwurm vor dem Rathaus wurde das Fest aufgebaut. Die Stimmung in der Stadt war kältlich bis ablehnend. Doch gabs hin und wieder auch großen Zuspruch und Lob. Für Klagenfurt war die Tour ein Klatsch in Gesicht; das Meckern und rechtsextreme Verwünschungen blieben nicht aus. Mascheks "Unser schönes Kärnten" paßte an den Ort der Tat. Zum ersten Mal auf der Tour spielte das VolXtheater Favoriten die Geschichte um den Mythos der österreichischen Flagge (Schlacht - "Heiden"blut - blutgetränkter weißer Wams - unter dem blutbefleckten Gürtel ist der Wams weiß - rot-weiß-rot). Besonders wirkungsvoll war der Drachenkampf vor dem Lindwurm - der edle Ritter Jörg gegen den Drachen der "roten Parteibuchwirtschaft" (frei nach Wolf Martin). Die spontane Abschlußrede des Straßenfestes hielt der Kärntner Künstler Viktor Rogy, (Schlußsatz: "Satan weiche!"), der uns nachher in sein Café OHM einlud. Vor etwa einem Monat wurde der Mietvertrag des Cafés von Klagenfurts Bürgermeister Scheucher gekündigt. Begründung dafür: Im Fenster des Cafés zur Straße hängt eine Installation, die die Mitglieder des schwarzblauen Regierung mit Hitlerbärtchen und -scheitel zeigt. Weiters ein Foto des Kärntner Landeshauptmanns Haider mit umgekehrten Hakenkreuzen. Offenbar fühlten sich die Betroffenen und deren Steigbügelhalter durch diese Bilder provoziert und griffen zum Mittel der Repression. Regierungskritische KünstlerInnen sind vor allem in Kärnten schwer unter Beschuß und bedürfen unserer Unterstützung. Von Klagenfurt aus fuhren wir dann an einen See und verbrachten dort eine angenehme Nacht und einen schönen Morgen.

Do 11.5.
Wiedermal verspätet traf die oK um ca. 17 Uhr in Lienz, der nächsten Station der EKH-Tour, ein. Ursprünglich hatten wir das Straßenfest am Hauptplatz angemeldet, die Polizei vor Ort bot uns aber als Alternativen dazu zwei Parkplätze zur Auswahl an. Nachdem wir kurz die Örtlichkeiten besichtigt hatten verlangten wir vom verantwortlichen Beamten doch den Hauptplatz als Veranstaltungsort. Das wurde uns dann problemlos zugestanden, die Hauptstraße wurde gesperrt und das Fest konnte beginnen. Die Stimmung in Lienz uns gegenüber war überraschenderweise ziemlich positiv. Es gab einige Rückmeldungen von jungen und älteren Menschen, die sich wirklich über unser Fest und dessen politischen Inhalt freuten. Nach dem Fest fuhren wir mit Polizeibegleitung Richtung Innsbruck. An diesem Tag ein schon gewohntes Bild: die oK vorne, dahinter entweder Polizei- oder Gendarmerieautos, später dann die wie gewohnt sehr unauffälligen Zivilpolizisten.

Fr. 12.5.
Geschlafen am Ufer des Inns - aufgeweckt durch die Aufforderung zur Ausweisleistung. Schönes Erwachen in Innsbruck. Der Tag ist leider als einziger der Tourtage zumindest vormittags und bis zum frühen Nachmittag verregnet. Vor dem Jugendzentrum Z6 kommt es zu einer Rangelei mit Mitgliedern einer Polizeisondereinheit (wahrscheinlich MEK - mobiles Einsatzkommando), die die Papiere einer Busfahrerin zuerst verlangen und dann nicht mehr zurückgeben wollen. Ab 14 Uhr nehmen wir am Franziskanerplatz mit Infotisch und Theatereinlagen an der Reclaim-the-Streets-Party teil, die von der Tiroler Plattform gegen Rassismus veranstaltet wird. Nachdem sich das Wetter bessert, kommen doch viele Menschen zu dieser Party. Nach der Straßenparty werden 3 unserer Autos kurz von Polizisten aufgehalten - diesmal hieß es "Fahrzeugüberprüfung". Panik bei den Amtshandelnden kam auf, als eine größere Gruppe von DemonstrantInnen dazustößt (O-Ton: "Paß auf, do kumman scho die aundan"). Für Samstag hatten wir eine politische Kundgebung (unser Tourfest) am Platz vor dem weltberühmten Goldenen Dachl angemeldet. Da für die Innsbrucker Behörden anscheinend niemand vor Ort ansprechbar war (nach all den Kontrollen eigentlich komisch) riefen sie im EKH in Wien an, um sich über unsere Veranstaltung zu informieren.

Sa. 13.5.
Frühstück im Z6, danach Teilnahme an der Demo gegen den Burschenschafterkommers. Treffpunkt war 13 Uhr Landhausplatz. Ca. 1500 DemonstrantInnen. Während am Franziskanerplatz die Abschlußkundgebung der Demo läuft, bauen wir am Platz vor dem Goldenen Dachl unsere Party auf - wirklich illustres Ambiente. Um ca. 17 Uhr fängt das Fest an, viele kommen nach der Demo zum Goldenen Dachl. Zivilpolizisten, Feuerwehr, Rettung, Uniformierte - alle sind sie anwesend. Die Stimmung am Fest ist sehr gut, volles Programm wird geboten: EKH-rebel-resistance-radio-show, VolXtheater Favoriten; Infotisch, Feuerspucken, EKH-Industrie, Widerstandsvideos, der Platz ist mit Transparenten vollgehängt, Volxkücke von Food not Bombs, Aerobic zu Franz Moraks "Shizopunk", viele Flugblätter werden verteilt. Einige Burschis verirren sich in die Nähe des Fests, einem wird das Kapperl gefladert, der "Täter" wird kurzfristig von der Polizei festgenommen, aber bald wieder freigelassen. Auch einige rechte Skinheads versuchen zu provozieren - in der Nacht vorher hatten ein paar von diesen Glatzköpfen zwei Menschen, die die Bühne am Franziskanerplatz bewachten, zusammengeschlagen. Einige InnsbruckerInnen waren verwundert, daß es uns gelungen war, das Fest vor dem Goldenen Dachl anzumelden. Anscheinend machen die Behörden so viel Streß, daß gar nicht mehr versucht wird, dort öfters politische Kundgebungen abzuhalten. Nach der Straßenparty gab´s im Z6 noch ein Antifa-Fest.

So. 14.5.
Schon im Vorfeld teilte uns der Vorarlberger Anmelder der Kundgebung in Bregenz mit, daß die Polizei den geplanten Ort der Veranstaltung - die Seepromenade - nicht genehmigen wollte. Dort dürfen anscheinend nur ÖVP und FPÖ ihre Volks-Sauf-Feste veranstalten. Nichteinmal SPÖ und Grüne konnten dort Kundgebungen abhalten. Zuweisen wollte mensch uns einen Parkplatz, der zwar nicht gänzlich isoliert war, aber bei weitem nicht so öffentlich wie die Seepromenade. Nach Verhandlungen mit der Polizei beschlossen wir, unser Recht auf Versammlungsfreiheit wahrzunehmen und zur Seepromenade zu fahren. Die Busse und Autos wurden nicht durchgelassen und so trugen wir unser Material einfach zum Kundgebungsort. Wie durch ein Wunder lief dann das Straßenfest problemlos ab. Dem Anmelder drohten die Polizisten mit Anzeigen. Mal sehen ob sie diese Drohung wahr machen. Auf jeden Fall werden wir rechtlich und finanziell Unterstützung geben. Bereits am Samstag gab der Vorarlberger FPÖ-Chef Hubert Gorbach eine Presseaussendung heraus, indem er die Kundgebung als einen Schlag gegen die Werte des Muttertags bezeichnete und deshalb eine Untersagung forderte. Dem anmeldenden Kulturverein drohte er mit Entzug von Subventionen. Da hat die FPÖ wohl schlecht recherchiert - der Kurlturverein bekam und bekommt auch keine Subventionen vom Land Vorarlberg und so ist diese Drohung wohl ein Schlag ins Wasser. Aber das ist ja eine übliche Vorgangsweise der Rechtsrechten - drohen, versuchen kritische Initiativen mundtot zu machen, vernadern, irgendwas von Werten daherlallen (und dann sich der Aussprüche nicht mehr errinnern können - entweder aufgrund von Schokotorteneinschlag oder meinetwegen aufgrund von Lautverschiebungen).

Tja, das war´s vorerst von der EKH-Tour 2000. Ob es Folge-oK´s geben wird wissen wir noch nicht. Insgesamt waren´s 10 anstrengende aber auch sehr ereignisreiche und schöne Tage. Uns hat die Tour doch die Gewißheit gebracht, daß mit Hartnäckigkeit und Durchsetzungswillen einiges möglich ist, daß es in ganz Österreich Leute gibt, die kritisch, widerständig und aktiv sind. Ein inhaltliches Resumeé wird vielleicht noch folgen.
 

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